Amphibien gehen wieder auf Wanderschaft: Vorsicht in den Morgenstunden

Der Frühling meldet sich mit Regen und Sonne. Jetzt ist Zeit für besondere Achtsamkeit im Straßenverkehr – denn die Amphibien machen sich vermehrt wieder auf die Wanderung. Der genaue Beginn der Wanderungen variiert von Jahr zu Jahr und Region zu Region. Sicher ist aber, dass wieder unzählige Frösche, Kröten und Molche von ihrem Winterlebensraum zu ihren traditionellen Laichgewässern wandern, wenn die Nächte milder werden und es zu regnen beginnt. Erdkröte, Grasfrosch & Co. müssen dabei häufig viel befahrene Straßen überqueren.

„Es gibt noch einige Strecken in meinem Wahlkreis, bei denen keine festen Leiteinrichtungen aufgrund der bestehenden Straßenverhältnisse möglich sind“, so der Landtagsabgeordnet Peter Seimer (GRÜNE). „Bitte fahren Sie im Bereich der Amphibienwanderstrecken vorsichtig und mit reduzierter Geschwindigkeit. Dies kommt nicht nur den Amphibien zugute, sondern schützt auch die zahlreichen Helferinnen und Helfer am Fahrbahnrand.“

An Straßenabschnitten, an denen es keine fest installierten Durchlässe und Leiteinrichtungen für Amphibien und andere Kleintiere gibt, sorgen viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dafür, dass die wandernden Tiere unbeschadet auf die andere Straßenseite gelangen. Hierfür werden im Vorfeld mobile Fangzäune aufgestellt und Eimer eingegraben. Die Tiere laufen an den Zäunen entlang, fallen in die Eimer und werden dann sicher auf die andere Straßenseite getragen. Dies ist sehr aufwändig.

Im Landkreis Böblingen gibt es Straßenabschnitte, an denen der Bau einer festen Leiteinrichtung aufgrund der bestehenden Straßenverhältnisse nicht möglich oder noch nicht erfolgt ist. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) engagiert sich im Landkreis Böblingen seit vielen Jahren im Amphibienschutz und betreut mobile Amphibienleiteinrichtungen unter anderem entlang der K1688 Weissach – Eberdingen und der K1063 zwischen Aidlingen und Grafenau-Dätzingen. Zwei Straßenabschnitte, die aufgrund ihrer schwierigen topografischen Lage während der Wanderungszeiten teilweise gesperrt werden müssen. 

Ohne die starke Unterstützung durch die ehrenamtlichen Helfer*innen vor Ort, unsere Kommunen und die engagierten Mitarbeiter*innen der Straßenmeisterei im Landkreis wären viele Amphibienpopulationen heute bereits ausgelöscht. Durch das Engagement konnten sich die Bestände von Erdkröten, Springfrosch und Feuersalamander erholen.

In unserer dicht bebauten und von Verkehrswegen durchzogenen Landschaft ist es für Amphibien und andere Wildtiere nicht einfach, von einem Lebensraum zum anderen zu gelangen. Sie stoßen auf eine Vielzahl von Hindernissen, etwa stark befahrene Straßen. Um der Zerschneidung von Lebensräumen und Wanderstrecken von Tieren entgegenzuwirken, hat das Verkehrsministerium das „Landeskonzept Wiedervernetzung an Straßen“ erarbeitet.

Seit Anfang 2020 können Wiedervernetzungsmaßnahmen an kommunalen Verkehrswegen über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) gefördert werden. Ziel des Verkehrsministeriums ist es, das „Landeskonzept Wiedervernetzung an Straßen“ sukzessive auch an kommunalen Straßen umzusetzen. Über das LGVFG können auch Querungshilfen zur Vernetzung von Lebensräumen und Tierwanderwegen an kommunalen Rad- und Schienenverkehrswegen gefördert werden. Im Fokus steht dabei die Förderung von Amphibienschutzanlagen.